Führerschein 1

Moin Kameraden,

wir lagen Anfang der 60er Jahre mit Z3 in Hamburg in der Werft und unser Schiffswachtmeister hatte mit dem Berufsförderungsdienst und einer ansässigen Fahrschule eine Ausbildung zur Erlangung eines PKW Führerscheines organisiert.
Es wurden Gruppen von 2-3 Mann zusammengestellt, die gemeinsam den Fahrunterricht, natürlich in Uniform, absolvieren sollten. (Nach der Flutkatastrophe 1962 konnte man sich in HH gut in Uniform sehen lassen). Die einzelnen Gruppen bekamen Zeiten genannt zu der sie sich an den Landungsbrücken einzufinden hatten um dort vom Fahrlehrer aufgenommen zu werden. Für das rechtzeitige Eintreffen an den Landungsbrücken war die Gruppe selbst verantwortlich, d.h. man mussten den Fahrplan der Barkassen studieren.
Die Fahrtstrecke ging dann über die Reeperbahn mit seinen Nebenstraßen und der der nicht gerade mit dem Steuern an der Reihe war konnte sich mit all den schönen Dingen beschäftigen die er bei "die nächste rechts - weiter geradeaus - die nächste links" zu sehen bekam und einen Plan für das Ende der Fahrstunde entwerfen. Denn, obwohl manchmal noch Dienstausscheiden an Bord war, ging man nicht zurück an Bord, den man hatte ja seinen "dienstlichen Landgängerschein".
Zu einer der besagten Gruppen gehörten auch Ernst S. und Micki, beide Fahrmaate in K IX und K VII. Ernst ein Kleiderschrank mit waffenscheinpflichtigen Händen, Schuhgröße 48 und Micki , im Aussehen, eben seinem Namen entsprechend. Während Micki mit dem VW Käfer nach den Anweisung des Fahrlehrers durch die Gegend fuhr schaute sich Ernst die "Exemplare in den Fenstern" und die „erwartungsvollen Ankündigungen der Reklame an und verspürte ganz langsam eine "unheimliche Bewegung" in seiner Lendengegend aufkommen.
Nach Beendigung der Fahrstunde suchte Micki die vereinbarte Piesel auf und Ernst entschuldigte sich mit dem Hinweis zunächst etwas für „seine Gesundheit“ tun zu müssen. Er käme dann nach Erledigung dieser gesundheitlichen Maßnahme auch in diese Kneipe.
Micki wählte einen Platz am Tresen von dem aus er die Eingangstür gut beobachten konnte und orderte (Fletcherfahrer ordern, die bestellen nicht, wir waren ja schließlich in USA) mehrfach "Lütt und Lütt". Zu dieser Zeit in Hamburg eine übliche Charge und unterhielt sich mit den anwesenden Zechern zunächst ganz gesittet.
Nun muss man wissen, dass der schmächtige Micki sehr konfliktfreudig war und sich diese Eigenschaft unter Alkoholeinfluss sehr verstärkte. Micki führte nach und nach das große Wort, es gab Meinungsverschiedenheiten, die dann eskalierten. Es war eine beschlossene Sache, dass Micki jetzt eine Linie überschritten hatte und deswegen von den anderen eine ordentlich Abreibung bekommen sollte.
Die Rettung für Micki war im Anmarsch, das Schott ging auf, ein heller Lichtstrahl erfasste ganz kurz den Schankraum und dann stand ein wuchtige Gestalt in der Tür, die das einfallende Tageslicht verdunkelte – Ernst , in seiner vollen Größe – zwar etwas außer Atem von den vorangegangenen Aktivitäten, aber für Mickis Gegner- sehr beindruckend.
Ernst erkannte sofort die Situation in der sich Micki befand und sagte ganz laut, für jeden verständlich und als Warnung an die anderen "Micki erzähl weiter, dass interessiert mich".
Nach diesem Auftritt von Ernst zogen sich die anderen Zecher auf ihre Barhocker zurück und suchten die Freundschaft der beiden Mariner.
Ernst und Micki fuhren dann später mit der letzten Barkasse in Richtung Werft und suchten dann ihre Kojen in unserer Landunterkunft auf. Das Frühstück schmeckte beiden noch nicht so recht und eine Portion "Gelusillack" am Vormittag vom Sani , sorgte dafür, dass beide gegen Mittag durch den Torbogen der Werkskantine gingen, auf dem in großen Lettern geschrieben stand "WER UNSER ESSEN VERTRÄGT IST GESUND" um das Mittagessen einzunehmen. Solche, oder ähnliche Erlebnisse hatten viele Landgänger und unserem Wachtmeister sei Dank, dass so viele von uns in der Werftliegezeit in Hamburg zum Führerschein kamen.
Heinz Bruns,
damals OMaat und Fahrmaat auf Z3


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